So ein Mädchen bin ich nicht

Passiert – Mai 2007
Eines Tages bekam ich eine E-Mail von einem Mädchen, das mir wieder und wieder versicherte, wie fasziniert es doch von mir und meinem Leben sei, und dass es, obwohl es nicht mit mir schlafen wolle – nein, SIE DOCH NICHT, so was tue sie nicht –, mich wirklich gerne kennenlernen wolle. Da sie gerne Wäsche wasche, wäre sie glücklich, wenn sie sich um meine kümmern dürfte, während sie mich, bei mir zu Hause, »Löcher in den Bauch fragen« könne. Gähn. Natürlich hatte sie ihrer E-Mail, derselben, in der sie sich unsägliche Mühe gab, mir zu erklären, sie habe kein Bedürfnis nach Sex mit mir, ein Foto angehängt.

An einem Dienstag um 15 Uhr kommt sie in meiner New Yorker Wohnung an. Sie ist gekleidet, als wolle sie zu einer Vorstellung von Das Phantom der Oper am Broadway: todschicke Bluse und Rock, komplett geschminkt und ganz wunderbar parfümiert. Dann fängt sie tatsächlich an, eine Ladung Wäsche vorzubereiten. Ich beobachte sie dabei, und obgleich sie nach und nach die korrekten Schritte ausführt – Buntwäsche und Weißwäsche trennen, Wasser aufdrehen, Waschmittel einfüllen, abwarten, bis es ein bisschen reingelaufen ist, dann die Wäsche reinpacken –, wird aus ihren behutsamen Bewegungen ziemlich deutlich, dass sie überhaupt nicht daran gewöhnt ist, dies zu tun:

Tucker: »Hast du schon jemals Wäsche gewaschen?«
Mädchen: »Na ja ... nein, nicht wirklich.«
Tucker: »Und woher wusstest du dann, was du tun musst? Ich meine, es ist ja keine OP am offenen Herzen, aber ich hab trotzdem meine Zweifel, dass jemand rein zufällig alles richtig macht.«
Mädchen: »Ich hab mir die Schritte von unserem Hausmädchen zeigen lassen, bevor ich hergekommen bin.«

Gute fünf Minuten lang muss ich lachen, dann ziehe ich sie erbarmungslos damit auf. Von da an braucht sie nur 20 Minuten, um zu entscheiden, dass sie doch herausfinden will, ob ich meinem Ruf gerecht werde, und wir ficken. Anschließend führen wir das folgende Gespräch. Ich hab es unmittelbar danach aufgeschrieben, weil es mich damals so schockiert hat (selbst wenn man bedenkt, dass sie sich in der Tinsley-Mortimer-Schickeria von New York City bewegt, hätte es nicht unbedingt so laufen müssen):

Mädchen: »Sag mal ... würdest du einen Dreier mit mir und einem anderen Mädchen machen?«
Tucker: »Willst du mich verarschen? Warum fragst du nicht, ob ich ein Ribeye-Steak und ein Bier haben will? Natürlich würde ich das.«
Mädchen: »Das ist toll! Ich bin sicher, das wäre nicht dein erster Dreier, du wirst also ziemlich genau wissen, was du tust. Wie läuft das? Bislang hab ich ein Mädchen noch nicht mal geküsst!«
Tucker: »Mach dir darüber keine Gedanken. Damit kenn ich mich extrem gut aus. Ich hab mal zwei Jahre mit einem bisexuellen Mädchen zusammengelebt. Da hatte ich so viele Dreier, dass es mir eine Weile sogar zum Hals raushing. Du musst einfach nur dabei sein und den Anweisungen folgen, um den Rest kümmere ich mich.«
Mädchen: »Das ist heiß. Besorgst du das Mädchen oder soll ich das tun?«
Tucker: »Das kann ich machen. Es hängt davon ab, was du dabei tun willst und welche Art von Mädchen du magst. Je mehr Informationen du mir vorab gibst, desto besser wird die Sache laufen.«
Mädchen: »Ich will eine extrem attraktive Person. Und das Wichtigste: Das Mädchen muss sauber sein. Das heißt also keine fetten Mädchen oder Stripperinnen. Oder Asiatinnen. Ich nehme an, du schläfst sowieso nicht mit Mädchen anderer Volksgruppen.«

Das hat sie ernsthaft gesagt. Zuerst dachte ich, sie macht Witze, doch dann fiel mir wieder ein, dass ich eine weiße angelsächsische Protestantin von der Upper East Side vor mir hatte, und diese Leute sind allesamt verkappte Rassisten.

Tucker: »Möchtest du, dass ich auch für dich tanze, Massa?«
Mädchen: »Ich behaupte nicht, dass ich auch nur annähernd das heißeste Mädchen bin, das hier rumläuft, aber das ist nun mal meine Fantasie und ich würde gern eine fantastische Nacht erleben, die ich für den Rest meines Lebens nicht vergesse.«
Tucker: »Du hast schon oft darüber nachgedacht, oder?«
Mädchen: »Ich wollte schon immer mal einen Dreier mit noch einem Mädchen. Wie auch immer, mein sehr konservativer Freund will meinem Wunsch nicht entgegenkommen.«
Tucker: »Warte mal – du hast einen Freund? Und dein Freund will keinen Sex mit dir UND einem anderen Mädchen?«
Mädchen: »Danke! Er ist wirklich eine abnorm konservative Person. Er ist Kinderarzt auf Long Island und scheint zu glauben, so etwas sei unter seiner Würde.«
Tucker: »Und warum gehst du dann mit ihm? Und warum kommst du her und fickst mich?«
Mädchen: »Versteh mich nicht falsch, er ist ein großartiger Mann. Abgesehen davon bin ich nicht der Typ Mädchen, der so was tut, also brauche ich auch nicht mit jemandem zusammen zu sein, der Spaß an nächtlichen Sexspielen mit mehreren Partnern hat. Deshalb habe ich ja dich ausgewählt. Aus der Lektüre deiner Geschichten konnte ich erkennen, dass du für großartigen Sex viel übrig hast. Über Gefühle, die uns in die Quere kommen, oder peinliche Begegnungen, die sich danach ereignen könnten, müssen wir uns keinen Kopf machen. Wir haben einfach tollen Sex und dann geht jeder seines Weges. Klingt das gut?«
Tucker: »Du hast mich ausgewählt? Haha. O.k., wie auch immer, schön für mich. Eins noch: Du sagst, du wärst nicht der Typ Mädchen, der so was tut ... aber du tust es ja. Also bist du sehr wohl dieser Typ Mädchen.«
Mädchen: »Nein, bin ich nicht.«
Tucker: »Was? Wenn A=B und B=C, dann ist A=C. Die transitive Eigenschaft ist eine der Grundlagen der Logik.«
Mädchen: »Aber ich bin nicht so ein Typ Mädchen.«
Tucker: »Haben Worte überhaupt eine Bedeutung für dich? Wie kannst du etwas tun und dann reklamieren, du wärst nicht der Typ, der das tut? Wenn du einen Schwanz lutscht, bist du eine Schwanzlutscherin. Wenn du mich fickst, bist du eine Betrügerin.«
Mädchen: »Nein, ich gehöre nicht zu ›diesen‹ Leuten. So was mach ich nicht.«

Nachdem sie an jenem Tag gegangen war, habe ich nie wieder mit ihr gesprochen. So abgestoßen fühlte ich mich von unserem Gespräch. Ich werde nie für mich in Anspruch nehmen, eine Art moralischer Kreuzritter zu sein, denn meine Moralvorstellungen entsprechen sicherlich nicht der Norm, aber nichtsdestotrotz lebe ich nach einer Reihe sehr ausgeprägter und klarer Prinzipien – sie unterscheiden sich einfach nur von denen der meisten Leute. Ich habe tatsächlich aufgehört, sie zu vögeln, weil ich sie moralisch abstoßend fand. Ich weiß. Ich muss ja selbst darüber lachen.

 

Die Bücher

Und in der Hölle mach ich weiter. Tucker Max Arschlöcher kommen immer zuerst. Tucker Max
jetzt kaufen jetzt kaufen