Jetzt tut's gleich ein bisschen weh

Passiert - Juni 1998

Aufgeschrieben - März 2005

Ja, ich weiß, wie böse einige dieser Geschichten sind. Ich weiß, dass mir das Schicksal als Strafe für mein mieses Benehmen fünf Töchter schenken wird, fünf üble Schlampen, die mit Typen wie mir schlafen und mir dann auch noch Vorwürfe machen werden. Ich weiß auch, dass ich im Falle, dass es ein Leben nach dem Tod gibt, zu Recht mit allerlei schmerzhaften Strafen und Qualen rechnen muss. Aber in dem derzeitigen körperlichen Übergangsstadium musste ich einmal erleben, dass es mir ein Mädchen mit gleicher Münze heimgezahlt hat. Normalerweise handeln meine Geschichten davon, wie großartig ich bin, trotzdem wäre es absolut verwerflich, wenn ich diese Geschichte auslassen würde, denn sie ist witzig. Für alle außer mir:

Ich traf Stephanie in South Beach. Sie war damals 19, superscharf und noch im College. Sie verbrachte einen Sommer in Miami, wo sie als Model jobbte. Stephanie besaß einen Körper, wie man ihn gern auf dem Cover von Maxim sieht, nur dass sie auch im richtigen Leben so scharf aussah und nicht erst nach der Behandlung mit einer Airbrushpistole. Zugegeben, für diese Figur hat sie so manches Abendessen wieder ausgekotzt, aber da ich es nicht war, der ihre Mahlzeiten bezahlte, war mir das egal. Wie die meisten richtig schönen Mädchen war sie außerordentlich unsicher. Sie trug zu viel Make-up und zu wenige Klamotten, was bei Frauen meist auf eine gewisse Verunsicherung hinweist. Aber ihre Unsicherheit war weit entfernt von der normalen weiblichen "Ob mich diese Hosen wohl fett machen"-Unsicherheit, die ja irgendwie noch ganz erträglich ist. Sie war voll auf jene "Ich bin so hässlich und wertlos"-, "Ich hasse mich selbst"-, und "Bitte fick mich, ich brauche Nähe"-Unsicherheit abonniert. Das Resultat ihrer unauslöschlichen Verunsicherung war eine ansehnliche Promiskuität. Das ging so weit, dass eine Verabredung mit ihr sich anfühlte, als säße man auf einem warmen Toilettensitz: Auch wenn du den Kerl nicht rausgehen gesehen hast, weißt du doch, dass wenige Minuten vor dir ein anderer da war.

Ich war damals 22, und diese Art von superscharfem und superunsicherem Mädchen passte genau in mein Beuteschema. So lief das damals normalerweise bei mir ab: Ich lernte eine kennen, roch ihre Unsicherheit, profitierte davon, spielte damit, und bevor ich was merkte, war das Mädchen in mich verliebt. Ich gab ihr dann schnellstmöglich den Laufpass, wobei meist irgendwas Unschönes passierte. So hab ich es mit fast allen Mädchen gemacht, die ich getroffen habe. Meine Freunde rissen schon Scherze über die Art der Gespräche mit den Mädels.

Mädchen: "Hi!"
Tucker: "Hi!"
Mädchen: "Ich bin einsam."
Tucker: "Ich auch."
Mädchen: "Ich liebe dich."
Tucker: "Ich dich auch."

Ich wollte diese Mädchen ehrlich NICHT unglücklich machen oder verletzen, ich war einfach zu jung, um zu kapieren, was ich da tue, zu dämlich, um es einzusehen, und zu abgefuckt, um damit aufzuhören. Mittlerweile habe ich begriffen, wie grässlich das war. Deshalb mache ich mir heute die Mühe, Frauen zu erklären, was ich von ihnen will und erwarte, bevor wir irgendwas tun. Das verhindert Erlebnisse wie dieses, um das es hier geht. Aber zurück zur Geschichte: Wir haben gefickt und haben rumgehangen, haben wieder gefickt, und ich spielte die "Toller Kerl mit Ecken und Kanten"-Rolle und sah zu, wie sie mir zunehmend verfiel. Als sie sagte, dass sie mich liebt, habe ich ihr wahrscheinlich das Gleiche gesagt ... aber dann wurde es mir langweilig, also rief ich sie nicht mehr an, und für mich war es vorbei. Neuer Tag, neues Glück, so heißt es doch?? Sie aber hatte nicht vor, mich so leicht ziehen zu lassen.

Sie rief an und rief an und rief an, ich ignorierte und ignorierte sie, bis sie eines Tages beschloss, ihrem Ärger Luft zu machen. Ich saß gerade mit ein paar Freunden in einer Bar, als sie und ihre hässliche Freundin (alle scharfen Feger haben mindestens eine hässliche Freundin) hereinstürmten.

Hässliche Freundin: "Warum hast du sie nicht zurückgerufen?"
Tucker: "Warum hast du noch nicht abgespeckt? Gleicher Grund."
Stephanie: "SIE IST NICHT FETT!"
Tucker: "Hinter ihrem Rücken erzählst du aber was anderes."

In Wirklichkeit war ihre Freundin gar nicht fett - höchstens nach dem lächerlichen South-Beach-Model-Standard, aber es ging mir jetzt darum, ihre moralische Unterstützung zum Wanken zu bringen, und nicht um korrekte Fakten.

Hässliche Freundin: "Hast du mich fett genannt?"
Stephanie: "NEIN! TUCKER, DU ARSCHLOCH! WARUM HAST DU MICH NICHT ZURÜCKGERUFEN?"
Tucker: "Weil ich nicht wollte. Vergiss es einfach. Und hau ab."
Stephanie: "FICK DICH! DAS IST MIR EH EGAL! DU HAST EINEN ZU KLEINEN SCHWANZ, BIST EINE NIETE IN DER KISTE UND KOMMST VIEL ZU FRÜH!"

Oh, Steph ... ich wünschte, du hättest das nicht gesagt. Zugegeben, ich hab mich mies benommen und hätte dich anrufen sollen, aber eben hast du mich vor anderen Leuten ... jetzt muss ich dich vernichten.

Tucker: "Okay, wenn das so ist, warum stehst du dann hier und heulst wie ein Schlosshund, nur weil ich nix mehr von dir will? Solltest du nicht froh sein, dass du mich los bist, anstatt dich in der Öffentlichkeit derart zu blamieren?"
Stephanie: "ICH BLAMIERE MICH NICHT!"
Tucker: "Und warum lachen dann alle über dich? Du möchtest wissen, warum ich nicht zurückgerufen habe? Okay: Du bist verrückt und verhurt, deshalb. Wenn du diesen Taubenschlag, den du Vagina nennst, geschlossen hast, dann komm wieder her und lass uns ausprobieren, ob wir im Bett irgendwie besser geworden sind."
Stephanie: "Fick dich!"
Tucker: "Tut mir ja leid, dass du dich selbst hasst und niemand dich liebt, aber jetzt reicht's. Nimm den Wurzelzwerg unter die Arme und hau ab. Schließlich wollen wir hier mit ein paar Weibern anbandeln, mit denen man sich sehen lassen kann."

Sie war absolut sprachlos. Auch wenn sie in diesem Moment ein Lexikon geschissen hätte, wäre kein Wort von ihr gekommen. Dann wandte sie sich zum Gehen. Wenn ich ein guter Mensch wäre, hätte ich es dabei belassen. Aber das bin ich eben nicht.

Tucker: "Ist nicht so gut gelaufen, wie du dir vorgestellt hast, was? Ich wette, irgendein Arschloch darf dich dafür heute Nacht ficken. Weibliche Verunsicherung - irgendjemand hat immer einen Vorteil davon."

Alle, die sich um uns versammelt hatten, mussten lachen, sogar die Barkeeper. Aber Stephanie war sicherlich in Tränen aufgelöst, als sie die Tür erreichte. Gewinne das Publikum für dich, und du gewinnst auch den Streit.

Tucker: 10
Stephanie: 0

Nach all dem dachte ich, dass die Sache endgültig vorbei wäre, aber zwei Tage später erhielt ich diese Voicemail:

"Tucker, Stephanie hier. Ich komm gerade vom Arzt, ich hab Chlamydien, du solltest dich auch testen lassen ... du Arschloch."

Auch wenn ich in meiner Jugend ein Vollidiot war, so war ich doch nicht blöd genug, um unbesehen etwas zu glauben, was mir eine wütende Frau erzählte. Da sie mir den Namen ihres Arztes nicht geben wollte, bat ich sie um eine Kopie des Testergebnisses. Ein paar Tage später bekam ich sie per Mail. Es stimmte. Chlamydien - positiv. Wow. Also musste ich mich auch testen lassen. Schöne Scheiße. Damit mein Vater, bei dem ich mitversichert war, nicht erfuhr, dass ich eventuell Chlamydien hatte, ging ich in eines der vielen öffentlichen Krankenhäuser von Florida. Nachdem ich mich durch all die Crackopfer und Nutten in der Lobby gekämpft hatte, sagte ich der Schwester, dass ich einen Chlamydientest brauchte. Habt ihr gewusst, wie man auf Chlamydien testet? Bevor ich dort hinging, wusste ich es nicht. Im Untersuchungszimmer bat mich die Schwester dann, die Hose auszuziehen, und packte einen 15 Zentimeter langen Metallstab aus, an dessen Ende sie einen Wattebausch befestigt hatte. Das konnte nicht sein ... sie würde doch nicht ernsthaft ... das durfte man doch nicht ... das würde nicht passen, und außerdem wäre es unmenschlich und fürchterlich schmerzhaft... aber wenn nicht - was hatte sie dann damit vor?

Schwester: "Okay, ich führe das in Ihre Harnröhre ein und dann..."
Tucker: "WAS?"
Schwester: "Ich führe das in Ihre Harnröhre ein und dann..."
Tucker: "NEE, ODER? NEE! DAS WIRD NICHT PASSIEREN! Auf keinen Fall werden Sie dieses metallene Riesenwattestäbchen in das Loch in meinem Schwanz stecken - das werden Sie nicht."
Schwester: "Aber so testen wir auf Chlamydien!"
Tucker: "Oh nein. Es muss einen anderen Weg geben. ES MUSS EINEN ANDEREN WEG GEBEN."
Schwester: "Aber nicht für Chlamydien ... Gibt's nicht."

Nachdem ich 30 Minuten mit ihr gestritten hatte, gab sie auf und holte einen Arzt. Mit ihm stritt ich dann weitere 20 Minuten, bis er drohte, mich rauszuwerfen oder die Polizei zu rufen, wenn ich mich nicht endlich testen lassen würde. Wer hätte gedacht, dass der Begriff "mittelalterliche Quacksalberei" jemand derart wütend machen kann. Während einer Woche musste ich mir allerlei Mist-Begründungen ausdenken, um keinen Sex zu haben. (Du kannst heute Abend nicht kommen, ich hab meiner Großmutter versprochen, dass ich Matlock mit ihr angucke.) Dann kam endlich mein Testergebnis - negativ, zum Glück. Mein erster Gedanke war - schließlich war ich erst 22 und naiv -, dass sie sich das Ganze sonst wo geholt haben musste. Ich war echt erleichtert. Ungefähr einen Monat später traf ich dann vor einer Bar eine ihrer besten Freundinnen (nicht die hässliche, eine andere, hübsche). Als sie mich sah, fing sie an, zu kichern und zu winken. Erst dachte ich, sie wolle mich anbaggern, und musste grinsen. Weiber verarschen sich oft gegenseitig. Also ging ich rüber und fing an, mit ihr zu reden, aber sie und ihre Freundinnen kicherten nur und machten sich irgendwie über mich lustig.

Tucker: "Was ist denn so lustig? Hab ich irgendwo einen Popel hängen?"
Mädchen: "Haahaahaahaaahaahhaaa. Kann ich dir nicht sagen, sonst wirst du sauer."
Tucker: "Jetzt sag schon, verflucht noch mal."
Mädchen: "Na ja, Stephanie hat 'ne Freundin, die ist Krankenschwester, und die hat einen positiven Test von irgendjemand anderem genommen, den Namen ausradiert, ihren eingetragen, 'ne Kopie gemacht und an dich geschickt. Hahahaha!"
Tucker: "Was? Sie hatte gar keine Chlamydien? Und ich war nie in Gefahr?"
Mädchen: "Neeeee. Hahahahahahahahahaha! Ich lach mich tot!"
Tucker: "ICH HAB DIESEN SCHEISSTEST UMSONST GEMACHT?! "
Mädchen: "Hahahahahahahahahaha!"

Tucker: 10
Stephanie: 500

Gewinner: Stephanie

Das war das letzte Mal in meinem Leben, dass ich den Fehler gemacht habe, den Erfindungsreichtum und die Energie einer Frau zu unterschätzen, die ich schlecht behandelt habe. Klar, wenn ich schlau gewesen wäre, hätte ich einfach aufgehört, die Frauen schlecht zu behandeln, wäre ihnen und mir gegenüber ehrlich gewesen und hätte klar gesagt, wer ich bin und was ich will, aber das sollte noch ein paar Jahre auf sich warten lassen.